Die Stadt Danzig – Miasto Gdańsk

Text: Jonas Pawlik
Foto: Marieke Wist

An unserem ersten richtigen Tag in Danzig begann unser Programm mit einer Stadtführung durch die sogenannte Rechtstadt von Danzig. Es gibt in Danzig auch eine Altstadt, aber die trägt ihren Namen nicht ganz zurecht. Die Rechtstadt, welche ihren Namen dem Erhalten des Lübischen Rechts im Jahre 1225 verdankt, ist der älteste Teil der Stadt und auch jener mit dem höchsten Touristenaufkommen. Im Zentrum der Stadt gelegen lockt dieser Teil Danzigs mit vielen Cafés, Restaurants, Kneipen und äußerst schön restaurierten, alten Fassaden. Es sei zu beachten, dass die Rechtstadt zwar sehr alt wirkt, die Gebäude sind aber allesamt nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut und das nicht unbedingt hundertprozentig originalgetreu.

Angefangen mit dem größten Thema der Stadtführung, den vielen Stadttoren, waren gleich die ersten 3 Stationen der Führung durch drei Wassertore am Ufer des Flusses Mottlau besetzt. Das prachtvollste aller Danziger Stadttore, das Grüne Tor, welches eher einem Palast ähnelte und auch als ein solcher erdacht wurde, machte den Anfang.Als nächstes machten wir einen Abstecher zu einem der wohl bekanntesten Fotomotive der Stadt, dem Krantor. Dieses verdankt seinen Namen der Doppelfunktion des Gebäudes, es ist nämlich nicht nur ein Stadttor, sondern zugleich ein historischer Kran. Zwei durch riesige Treträder betriebene Kräne befinden sich an der Mottlauseite des Gebäudes. Der höhere der beiden Kräne wurde mit einer Höhe von 27m vor allem auch genutzt um die schweren Mäste der Segelschiffe früherer Zeiten aufzurichten.

Die Stadt betreten haben wir schließlich durch das zwischen Grünem Tor und Krantor liegende Frauentor. Dieses Tor öffnete den Weg über die Frauengasse mit ihren vielen Bernsteinläden zu der Marienkirche. Dieses beeindruckend große Backsteingebäude zählt zu den größten Hallenkirchen weltweit und soll angeblich 25.000 Menschen fassen können, was ungefähr der Einwohnerzahl Danzigs zur Zeit der Erbauung der Kirche entspräche.

Weiter gingen wir entlang des Randes der Rechtstadt, um diese erneut von außen betreten zu können. Dieses mal den Weg, den einst der polnische Hochadel nutzte, um in die Stadt zu gelangen. Dieser Weg führt durch 3 Tore hintereinander. Angefangen mit dem Hohen Tor, durch das Peinkammertor, welches den schönen Namen der Nebenfunktion eines Gefängnisses verdankt. Schließlich durch das Goldene Tor, oder auch Langgasser Tor genannt, da es den Anfang der Hauptstraße der Rechtstadt, der Langgasse, markiert.

Auf dieser Straße gingen wir also entlang der hübschen Hausfassaden bis zum Rechtstädtischen Rathaus. Dieser beeindruckende Backsteinbau im Manierismus-Stil (Kunsthistorische Bezeichnung für eine Form der Spätrenaissance, schöpft alle technischen Möglichkeiten zur extremen Gestaltung aus; Danzig gilt als ein Zentrum dieses Stils im Ostseeraum) sollte mit dem 81m hohen Turm eine hervorragende Sicht über die Innenstadt bieten – leider war uns eine Turmbesichtigung jahreszeitlich bedingt nicht ermöglicht. Wir bekamen aber von der Touristeninformation die Bestätigung, dass es dort oben wirklich sehr schön sei.

Neben dem Rechtstädtischen Rathaus steht der Artushof, ehemals ein Treffpunkt für die reichen Kaufleute und die Adligen. Vor diesem steht der Neptunbrunnen, welcher den Beginn des Langen Marktes, einem Platz an welchem eben diese bessere Gesellschaft zu wohnen pflegte, markiert. Standesgemäß findet sich dort auch das Speymannhaus, ehemaliger Wohnsitz eines Bürgermeisters und Kaufmanns. Den Abschluss des Langen Marktes markierte das schon ganz am Anfang erwähnte Grüne Tor. Wir beendeten also die Stadtführung, wo sie auch begann und wir hatten eine etwas längere Mittagspause. Diese wurde von einem Teil der Gruppe grandios genutzt, indem eine spektakuläre Riesenradfahrt mit 3 Extra-Runden angetreten wurde. Damit soll der Bericht zur Stadtführung nun endgültig beendet sein und es bleiben nur noch ein paar Worte zu der Stadt im Allgemeinen zu sagen.

In der Reflexionsrunde zum Abschluss der Exkursion kam häufig die Empfindung auf, dass man kein echtes Gefühl für die Stadt entwickelt hätte. In der Rechtstadt wurde sich schnell zurechtgefunden, aber was darüber hinausging war weitestgehend ein großes Mysterium. Unser Hostel lag zwar außerhalb der Rechtstadt, allerdings nicht all zu weit. Weiterhin erreichten wir zwar sowohl das Museum des zweiten Weltkriegs, als auch das Europäische Zentrum der Solidarność zu Fuß, allerdings sah man dadurch auch nur einen Weg hin und zurück, was dem Gefühl für die gesamte Stadt noch nicht wirklich weiter half. Sogar noch weniger haben da die beiden Ausflüge mit der S-Bahn geholfen. Wir haben die Universität und den Stadtteil rundherum gesehen, konnten aber keine Verbindung zu der eigentlichen Innenstadt feststellen. Gleiches galt für das Viertel in welchem wir das Razem Büro besuchten. Ein angeblich sehr angesagtes Wohnviertel, von dem wir aber leider nicht viel zu sehen bekamen.

Insgesamt wirkte die Stadt dadurch sehr groß und es blieb das Gefühl, nur einen Bruchteil gesehen zu haben. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Stadt Danzig, jetzt ein mal ungeachtet des eigentlichen Rahmenprogramms der Exkursion, für an Städten interessierte Personen eine Reise wert ist.