Treffen mit Razem in Gdańsk

Text: Inga Kemper
Foto: partia razem

Am Samstag, den 27. Februar treffen wir uns am späten Nachmittag mit der Danziger Razem Gruppe. Ihr Büro haben sie in einem größeren Gebäudekomplex im dritten Stockwerk, am Ende eines langen Flures. Nach einer freundlichen Begrüßung unserer vom Tag gezeichneten Gruppe setzen wir uns für einen Dialog mit den Aktivisten in einen großen Kreis. Insgesamt sind fünf Mitglieder der politischen Gruppe anwesend. Der Sprecher der Gruppe fängt an und fragt uns, was wir bisher erlebt haben und ob wir irgendwelche Fragen hätten. Zuvor hatten einige aus unserer Gruppe Bedenken, ob ein Gespräch mit einer uns eher unbekannten Gruppe schnell ins Rollen kommen würde. Doch es entwickeln sich viele interessante Fragen, und wir bekommen ausführliche und spannende Antworten.

Razem ist eine bisher sehr kleine und junge Partei in Polen, die sich erst 2015 gegründet hat und im selben Jahr bei den stattfindenden Parlamentswahlen einen Achtungserfolg von fast 4% verbuchen konnte. Sie bezeichnet sich selbst als progressiv und demokratisch und stellt sich damit bewusst gegen den konservativen Kurs der zwei größten Parteien Polens. Ihr Logo, welches in dem Büro auf der Fensterbank platziert ist, ist violett und erinnert stark an die Podemos-Bewegung. Auf die Frage, ob sie sich als Sozialisten bezeichnen würden, antworten einige zögernd, aber deutlich mit „Ja“, wobei sie die Bezeichnung im Allgemeinen eher ablehnen, zumindest in der Öffentlichkeitsarbeit.

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Treffen mit razem, Bild: razem Pomorze, https://www.facebook.com/razem.pomorze/

Wir sprechen über den Wandel von Solidarność, dem Schwund, den diese Gewerkschaft seit den neunziger Jahren erlebt hatte und die Schwierigkeit der linken Gruppe, mit Gewerkschaften zusammenzukommen, da diese Gewerkschaften eben auch in die nationalkonservative Wende Polens integriert sind. Das Leben in Polen in Zeiten der PiS-Regierung ist dann ein weiteres Thema. Zum Beispiel wurde der Museumsleiter des Museums des Zweiten Weltkrieges entlassen, weil er der Regierung nicht passte. Was sich im Alltagsleben vieler Menschen momentan ändert, lässt sich an einigen Punkten festhalten: So werden in Danzig immer mehr staatliche Wohnungen privatisiert, die Mieten steigen oder es wird immer wieder eine hitzige Debatte über das Abtreibungsrecht geführt. Ein Razem Mitglied erzählte von Zwangsräumungen, ein anderes von den zahlreichen Demonstrationen gegen die Verschärfung des Abtreibungsrechtes. Dann kamen einige Fragen zu dem Leben der LGBT Menschen in Polen, woraufhin die einzige Frau der anwesenden Razem Mitglieder anfängt zu erzählen. Das Leben der Schwulen und Lesben in Polen gestalte sich sehr unterschiedlich und es käme darauf an, wo die Menschen lebten. Es gibt Fälle von starkem Mobbing und Fälle von homosexuellen Bürgermeistern, die komplett toleriert werden.

Wir merken, dass wir unser bisher Erlebtes in diesem Gespräch resümieren können, dass vieles von dem zusammenläuft, was wir im Museum des Zweiten Weltkrieges oder auch in dem Gespräch mit Prof. Perkowski, einem Historiker an der Danziger Universität, über die politische Lage in Polen erfahren haben. Am Ende des langen Gespräches geht es um die Zukunft in Polen und wie die Aktivisten sich die Zukunft vorstellen. Auch wenn die politische Stimmung bedrückend ist, äußern sich alle zuversichtlich und meinen: „ Hey wir sind da, wir können politisch arbeiten, das ist das Wichtigste.“

Bevor wir uns verabschieden, machen wir ein gemeinsames Foto, denn Social Media spielt eine wichtige Rolle. Wir gehen voll mit Anregungen, neuen Gedanken, Müdigkeit und Magenknurren aus dem Gespräch und freuen uns schon auf das folgende Abendessen nach dem langen Tag.

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