Das Museum des Zweiten Weltkriegs Gdánsk

Text: Léon Döpke
Foto: Natalia Wollny

In Anbetracht der kontroversen Diskussionen, die es auch in deutschen Medien rund um die Eröffnung und die Besetzung der Direktion gab, stellte sich vor Beginn des Besuchs die spannende Frage, wie präsentiert sich das Museum? Die Kurator*innen des Museums gingen, so erfuhren wir direkt zu Beginn des Rundgangs, mit dem Anspruch an die Gestaltung des Museums, einen umfassenden Blick auf die weltweiten Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs zu geben.

Foto: Marieke Wist

Bevor wir die eigentliche Ausstellung betraten, fiel unser Blick auf Pflastersteine, die an der Wand entlang gelegt waren und deren Bedeutung uns relativ schnell erläutert wurde. Sie repräsentieren den Verlauf einer Straße, die sich bis zur Zerstörung der Stadt an dieser Stelle befand und deutlich machen soll, wie viel Schaden durch den Krieg angerichtet wurde und inwieweit an diese Zerstörung mit solch einer Symbolik erinnert werden kann.

Als Besucher wird man langsam in die Thematik Zweiter Weltkrieg eingeführt, in dem die Sowjetunion, Deutschland und Italien als Beispielländer für die Etablierung von kommunistischen bzw. faschistischen Regimen vorgestellt werden und mit welchen Arten von Propaganda gearbeitet wurde.

Die damit beginnende Ausstellung gibt einen doch recht offenen Einblick in die Anfänge des Krieges, leitet die Besucher*innen in aufwendige, beispielhaft gewählte Stadtszenen, die, so die Erläuterung, jede Stadt in dieser Zeit darstellen könnten und versucht zu verdeutlichen, wie es den Opfern erging.

Besonders sind mir jedoch zwei Dinge in Erinnerung geblieben. Zum einen der zwar in grammatikalisch gutem deutsch vorgetragene, aber in einem zu hohen Tempo absolvierte Rundgang, der die Aussage beinhaltete „Hitler hat zwar den Krieg verloren, aber den Holocaust gewonnen“, welche meiner Meinung nach zwar im wissenschaftlichen Kontext zum Nachdenken anregt, jedoch bei einer Gruppe, die nicht mit dem nötigen Hintergrundwissen ausgestattet ist, durchaus mindestens auf Verwunderung stoßen dürfte.

Der zweite Aspekt betrifft das Ende der Ausstellung, das, wie wir auf Nachfrage erfuhren, unter der aktuellen polnischen Regierung verändert wurde und einen Film zeigt, der für außenstehende befremdlich wirkt. In einer Szene wird die polnische Nation als kleines Strichmännchen dargestellt, welches von beiden Seiten erdrückt wird und alle Polen ausnahmslos zu Opfern des Krieges macht. Ein Punkt, der zwar zur Argumentation der aktuellen Regierung passt, wissenschaftlich aber höchst umstritten ist.

Abschließend lässt sich aber festhalten, dass das Museum bei mir einen besseren Eindruck hinterlassen hat, als ich vorher befürchtet habe. Der Großteil der Ausstellung vermittelt Einblicke in den Zweiten Weltkrieg und ermöglicht es, unter Umständen auch einen ganzen Tag dort zu verbringen. Unsere circa dreistündige Führung ließ eindeutig zu wenig Raum, um sich länger mit einzelnen Aspekten auseinandersetzen zu können. Somit empfiehlt es sich für einen erneuten bzw. eventuell anstehenden Besuch wesentlich mehr Zeit einzuplanen, als es uns bei unserem Besuch möglich war.

 

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