Abendgestaltung

Text: Linus Guzy
Foto: Natalia Wollny

Für die Abende gab es nur bis zum Abendessen eine allgemeine Planung und danach konnte ein jeder seines Weges gehen. Deshalb ist es unmöglich, die Abendgestaltung eines jeden in diesem Text zusammenzufassen. In Anbetracht dieser Unmöglichkeit habe ich mich dazu entschieden, einfach aufzuschreiben, was mir nach einem Monat noch in Erinnerung geblieben ist.

Da unsere Zeit in Danzig nur drei volle Tage (plus An- und Abreisetag) betrug, wurde mehr oder weniger konsensual beschlossen, auch Teile der Nächte zu nutzen, um die Zeit in der Stadt zu genießen. Die vier Abende und Nächte waren so unterschiedlich wie unterhaltsam. Im Folgenden will ich mehr oder eher weniger chronologisch anhand ein paar Erlebnissen und Erinnerungen erzählen, was man im nächtlichen Danzig machen kann.

Allgemein lässt sich sagen, dass es erstaunlich ist, mit wie wenig Schlaf man auskommen kann. So wurde man zwar im Laufe des Tages nach vielen (Terminen) ein wenig schlapp, doch als man dann beim Abendessen im Restaurant saß und den ersten Schluck seines Getränkes zu sich nahm, erwachten die Lebensgeister von Neuem. Was dann folgte, waren meist interessante Gespräche über die Erlebnisse des Tages, interessante Gespräche über Gott und die Welt und einmal auch eine (ob gefühlt oder buchstäblich ist egal) drei Stunden dauernde Ausgabe des Entweder-Oder-Spiels. Dieses besteht im Grunde nur daraus, dass ein Mitspieler den anderen zwei bis vier Alternativen in einem zu erkennenden Kontext gibt, woraus dann ein jeder eine Antwort wählt (Beispiel: Römisches Reich oder Heiliges Römisches Reich?). Es ist erstaunlich, wie lange ein Spiel mit einer solch einfachen Premisse Spaß machen kann. Nun ja. Nach dem Essen trennten sich dann oft die Wege, auch wenn manche wiederum denselben Weg einschlugen. Die Erinnerungen an die Danziger Nächte ist ein Potpourri vieler verschiedener Farben und Klänge: Mit dabei sind eine Bar, in der wir in der zweiten Nacht noch ein Bierchen trinken wollten und die irgendwann plötzlich eine Tanzfläche hatte, auf der auch wir kollektiv das Tanzbein schwangen. Außerdem ein Skatspiel ohne Karten, was genau so dumm ist, wie es klingt. Außerdem eine Speedrunde Skat beim Warten auf die anderen, was genauso geil ist, wie es klingt. Des Weiteren in Erinnerung geblieben ist die weihnachtliche Dekoration, die in Polen zu diesem Zeitpunkt noch stand und hing und die den allabendlichen oder allnächtlichen Heimweg in den schönsten Farben schienen ließ.

Das Schöne an den vier Nächten in Danzig, wie ich sie erlebt habe, war, dass es vier (vielleicht sogar fünf) komplett unterschiedliche Nächte waren: Von der ersten Nacht, in der ein kleines Grüppchen noch loszog, um sich ein wenig die Nebenstraßen der Innenstadt anzuschauen, bis hin zur letzten Nacht, die von fast allen mehr oder weniger durchgemacht wurde, da der Zug nach Hause in aller Herrgottsfrühe fuhr, gab es an Gruppenzusammensetzungen und Spaßpegel alle Zusammensetzungen, die man sich wünschen konnte. Und auch wenn man sich am nächsten Morgen beim Klingeln des Weckers ob seiner Dummheit verfluchte, so ist man doch im Nachhinein glücklich, kaum schlafen gegangen zu sein.

 

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